Wer weiß, was er in Marokko anziehen sollte, reist entspannter: weniger Blicke in der Medina, keine verbrannten Knie nach dem Kamelritt und eine warme Nacht in den Dünen. Eine Kleiderordnung für Besucher gibt es nicht, aber Marokko ist ein muslimisches Land mit zurückhaltenden Gewohnheiten jenseits der großen Hotels, und das Klima reicht von verschneiten Pässen bis zu Wüstennachmittagen über 40 °C. Hier steht, was wir unseren eigenen Gästen vor dem Packen raten.
In marokkanischen Städten sollten Schultern und Knie bedeckt sein, die Kleidung locker und luftig; das gilt für Frauen und, etwas weniger streng, für Männer. Ein Kopftuch ist für Besucherinnen nicht nötig. Für die Wüste brauchen Sie eine lange Hose für den Kamelritt, ein großes Baumwolltuch gegen Sonne und Sand und warme Schichten: Nächte in der Sahara sind fast das ganze Jahr kühl und im Winter nahe 0 °C möglich.
Die Grundregel: bedeckt, locker, in Schichten
Marokkaner kleiden sich in der Öffentlichkeit zurückhaltend. In den Neustädten von Marrakesch, Casablanca oder Rabat sehen Sie Studierende in Jeans und T-Shirt, und niemand erwartet, dass Reisende sich wie Einheimische anziehen. In den alten Medinas, in Kleinstädten und Berberdörfern ist etwas mehr Stoff aber ein einfaches Zeichen von Respekt, und das spüren Sie an der Art, wie man Ihnen begegnet.
Drei Begriffe reichen. Bedeckt: Schultern und Knie, grob gesagt. Locker: Stoffe, die nicht am Körper kleben und bei Hitze kühler sind. In Schichten: An einem einzigen Reisetag fahren Sie von einem kalten Pass im Hohen Atlas in ein heißes Tal am Rand der Wüste. Baumwolle, Leinen und Merinowolle kommen mit diesen Wechseln besser zurecht als Kunstfasern, die nach Stunden im Auto unangenehm werden.
Was Frauen in Marokko anziehen können
Diese Frage stellen uns Reisende am häufigsten. Eine Garderobe, die überall passt: Midi- oder Maxiröcke, weite Hosen oder Leinenhosen, Oberteile, die die Schultern bedecken, eine lange Strickjacke oder ein Kimono über dem T-Shirt und ein großer Schal. Jeans sind kein Problem. Leggings am besten unter einer Tunika oder einem langen Hemd, das die Hüften bedeckt.
Für Riad, Pool oder Strand reservieren Sie besser Hotpants, Miniröcke, bauchfreie Tops, tiefe Ausschnitte, Spaghettiträger und alles Durchsichtige. In der Unterkunft stört sich niemand daran; im Souk ziehen sie Aufmerksamkeit auf sich, die Sie wahrscheinlich nicht möchten.
Nichtmuslimische Frauen müssen ihr Haar nicht bedecken, und nur wenige Reisende tragen im Alltag ein Kopftuch. Ein leichtes Tuch in der Tasche ist trotzdem praktisch: Es bedeckt die Schultern im Hof eines Heiligtums, schützt den Nacken vor der Sonne und das Gesicht vor Staub in der Wüste.
Ehrlich gesagt: Zurückhaltende Kleidung verringert Sprüche und Blicke in einer belebten Medina, sie verhindert sie nicht ganz. Zielstrebig gehen, eine Sonnenbrille tragen und ruhig „la, shukran“ (nein, danke) sagen hilft genauso viel wie jedes Outfit.
Was Männer anziehen können
Männer haben mehr Spielraum, doch die Logik ist dieselbe. Marokkanische Männer tragen in der Stadt selten kurze Hosen, außer beim Sport. Knielange Shorts sind in den touristischen Vierteln von Marrakesch akzeptiert, eine leichte Hose oder Chino wirkt in der Medina, in Bergdörfern und an religiösen Stätten aber respektvoller und schützt die Beine auf dem Kamel. Tauschen Sie Tanktops gegen T-Shirts oder kurzärmelige Hemden; oben ohne nur am Strand und am Pool.
Wenn Sie nur ein Stück extra einpacken, dann ein langärmeliges Hemd aus Leinen oder Baumwolle zum Hochkrempeln: kühl, ein Sonnenschutz auf der Fahrt und schick genug fürs Abendessen.
Moscheen, Medresen und Heiligtümer
Die meisten Moscheen in Marokko sind für Nichtmuslime geschlossen. Die bekannte Ausnahme ist die Hassan-II.-Moschee in Casablanca, die Führungen anbietet. Kleiden Sie sich wie für jeden Gebetsort: Arme und Beine bedeckt für alle, nichts Enges, und Frauen sollten ein Tuch bereithalten, falls sie gebeten werden, das Haar zu bedecken. Drinnen ziehen Sie die Schuhe aus, also lieber Schuhe zum Hineinschlüpfen und Socken, die Sie gern zeigen.
Die alten Koranschulen, etwa die Medersa Ben Youssef in Marrakesch oder die Medresen der Medina von Fes, und manche Mausoleen sind als Monumente zugänglich. Meist kontrolliert niemand die Kleidung am Eingang, bedeckte Schultern und Knie werden aber erwartet. Hut drinnen abnehmen.
Kleidung nach Jahreszeit und Region
Städte
Im Frühling und Herbst genügen leichte Schichten und ein Pullover für den Abend. Der Sommer in Marrakesch und Fes kann sehr heiß sein; leichte lange Ärmel und ein Hut schützen besser als nackte Haut. Im Winter sind die Tage in der Sonne oft angenehm, doch Riads sind Steinhäuser um einen offenen Innenhof und nachts kühl: Packen Sie einen dicken Pullover und etwas Warmes zum Schlafen ein.
Die Atlantikküste
Essaouira und die Küste sind kühler und oft windig, auch im Sommer: Eine winddichte Jacke lohnt sich. Badekleidung ist am Strand und am Pool normal; für den Weg durch den Ort ziehen Sie wieder Shirt und Shorts oder einen Sarong an.
Das Atlasgebirge
Die Höhe macht die Berge das ganze Jahr kühler. Im Winter kann auf den hohen Pässen Schnee liegen, auch auf dem Tizi n'Tichka mit rund 2.260 m an der Straße Richtung Wüste. Eine warme Jacke, eine Mütze und geschlossene Schuhe gehören dann ins Auto, selbst wenn die Fahrt in die Sonne geht. Im Frühling und Herbst reicht eine Fleecejacke.
Frühe Starts
Vor Sonnenaufgang ist es fast überall kalt. Bei einer Heißluftballonfahrt in Marrakesch werden Sie sehr früh abgeholt: Ziehen Sie Schichten an, die Sie ablegen können, sobald die Sonne da ist. Ähnlich bei unserem Tagesausflug in die Agafay Wüste ab Marrakesch: warm am Nachmittag, kühl, sobald die Sonne sinkt.
Was anziehen in der Sahara
In der Wüste geht es bei der Kleidung um Komfort, weniger um Zurückhaltung. Auf einer Route wie unserer 3-tägigen Wüstentour nach Merzouga ab Marrakesch erreichen Sie die Dünen des Erg Chebbi am späten Nachmittag, reiten zum Sonnenuntergang ins Camp und fahren nach Sonnenaufgang weiter. In wenigen Stunden erleben Sie Hitze, Wind, Sand und eine kalte Nacht.
Für den Kamelritt
Der Ritt ins Camp dauert auf unseren Touren etwa 1 Stunde. Tragen Sie eine lange, lockere Hose: In Shorts scheuern die Beine an der rauen Satteldecke, und in einem engen Rock sitzt man schlecht rittlings. Handy und Sonnenbrille gehören in eine Tasche mit Reißverschluss oder eine Umhängetasche; was vom Kamel fällt, verschwindet gern im Sand.
Kopf und Gesicht
Ein großes Baumwolltuch oder ein Chech, der lange Turban der Wüstenbewohner, erfüllt drei Aufgaben: Sonnenhut, Staubschutz und zusätzliche Schicht nach Einbruch der Dunkelheit. Lassen Sie sich vor Ort zeigen, wie man ihn bindet. Ein breitkrempiger Hut fliegt auf dem Kamel leicht davon; eine Kappe mit Tuch darüber hält besser.
Abends und nachts
Nach Sonnenuntergang verliert der Sand schnell seine Wärme. Den größten Teil des Jahres freuen Sie sich am Feuer über eine Fleecejacke oder einen warmen Pullover. Von November bis Februar können die Nächte nahe 0 °C fallen: Daunenjacke, Mütze und dicke Socken dazu, und in Schichten schlafen. Wie der Abend im Camp Stunde für Stunde abläuft, lesen Sie in unserem Ratgeber Nacht in der Wüste: Temperatur, Ablauf, Packliste.
Im Sommer
Im Juli und August liegen die Nachmittage in der Wüste oft über 40 °C. Helle, langärmelige Kleidung schützt besser als ein Tanktop, und Sonnencreme, Lippenpflege und eine volle Wasserflasche zählen mehr als jedes Kleidungsstück. Selbst dann können die frühen Morgenstunden im Camp frisch sein: Eine warme Schicht gehört in den Rucksack.
Schuhe
Die Gassen der Medina sind uneben, polierter Stein ist rutschig, und manche Wege teilen Sie mit Eseln, Handkarren und Mopeds. Am sichersten sind bequeme geschlossene Schuhe oder feste Sandalen mit gutem Profil. Flip-Flops bleiben im Riad und am Pool.
In den Dünen dringt Sand überall ein. Sportsandalen oder Turnschuhe, die sich leicht ausleeren lassen, funktionieren am besten. Viele laufen morgens oder abends barfuß, doch mittags im Sommer ist der Sand glühend heiß und im Winter bei Sonnenaufgang eiskalt. Lederbabuschen aus dem Souk sind schöne Hausschuhe für daheim; zum Laufen sind sie nicht gemacht.
Packliste für die Sahara
Auf unseren mehrtägigen Touren bleibt der Koffer im Fahrzeug, ins Camp nehmen Sie nur eine kleine Tasche mit. Packen Sie sie am Abend vor der Ankunft in den Dünen. Mehr über die Region lesen Sie in unserem Ratgeber Merzouga Wüste und Erg Chebbi.
Kleidung
- Lange, lockere Hose für den Kamelritt
- Ein langärmeliges Hemd oder leichtes Oberteil gegen die Sonne
- Fleecejacke oder warmer Pullover, das ganze Jahr
- Daunenjacke, Mütze und Handschuhe von November bis Februar
- Dicke Socken für den kalten Sand am Morgen
- Etwas Warmes zum Schlafen
Schutz und Kleinigkeiten
- Ein großes Baumwolltuch oder ein Chech
- Sonnenbrille, Sonnencreme und Lippenpflege
- Eine wiederbefüllbare Trinkflasche
- Eine Stirnlampe für den Weg zum Bad in der Nacht
- Feuchttücher und ein kleines Handtuch
- Ein Zipbeutel, der Handy oder Kamera vor Sand schützt
- Eine geladene Powerbank: Standardcamps haben Strom, Ladesteckdosen gibt es aber im Luxuscamp
- Ihre Medikamente und etwas Bargeld
Was anziehen in Marokko: häufige Fragen
Müssen Frauen in Marokko ihr Haar bedecken?
Nein. Nichtmuslimische Besucherinnen brauchen auf der Straße kein Kopftuch. Ein Tuch in der Tasche ist nützlich für die Hassan-II.-Moschee, wo Sie gebeten werden können, das Haar zu bedecken, und gegen Sonne und Staub in der Wüste.
Kann man in Marokko kurze Hosen tragen?
Männer können in touristischen Gegenden knielange Shorts tragen, lange Hosen sind in Medinas und Dörfern aber respektvoller. Bei Frauen fallen kurze Shorts in der Stadt auf; sie passen eher an Pool oder Strand. Auf dem Kamel sitzen alle in langen Hosen bequemer.
Sollte man sich im Ramadan anders kleiden?
Es gelten dieselben Regeln, aber in diesem Monat lohnt es sich, eher zurückhaltend zu wählen: Ärmel, lange Röcke oder Hosen und nichts Freizügiges auf der Straße. Wer fastet, schätzt die Geste.
Wie warm muss ich mich im Winter für die Wüste anziehen?
Von November bis Februar wie für einen kalten Abend zu Hause: Daunenjacke, Mütze, Handschuhe und dicke Socken. Tagsüber kann es in der Sonne angenehm sein, deshalb Schichten, die sich ablegen lassen.
Kann ich passende Kleidung vor Ort kaufen?
Ja. In den Souks gibt es Baumwolltücher, Chechs, leichte Tuniken und Wolldschellabas, und ein Tuch am ersten Tag zu kaufen ist eine gängige Lösung. Die Grundausstattung bringen Sie trotzdem besser mit: Größen und Qualität schwanken, und am zweiten Tag will niemand Schuhe suchen.